Die Sprache im "etwas anderen" Deutschland: DDR   



Worterklärungen, Sammlung von Begriffen

Worte und Wendungen, die sich durch die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg, den Einflüssen der "Sieger der Geschichte" (Sowjetunion und der DDR-Kommunisten) herausbildeten und sich doch um einiges vom gesamt - deutschen Sprachgebrauch unterschieden. Gleiches sollte hier nicht erwähnt werden, das ist ja in Nord und Süd, Ost und West bekannt...
Eine eigene DDR-Sprache hat es nicht gegeben, natürlich einige Ausdrücke, die in anderen deutsch sprechenden Staaten keine Entsprechung hatten oder keinen Sinn machten (z.B. Forumscheck - ?).
Aus meiner Erinnerung, einige persönliche Bemerkungen und Erklärungsversuche sind auch dabei...

***     ***   
wer noch Anregungen hat, ich werde alles prüfen und ggf. hier aufnehmen, was mit dem slang zu tun hat, der ausschließlich in der DDR gesprochen wurde.



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A

A & V - An und Ver
An- und Verkauf von Gebrauchtwaren. Da in der DDR viele Dinge des täglichen Gebrauches oft genug Mangelware waren, wurden diese oft von Anbieter zu Käufer direkt und unter Freunden und Bekannten getauscht oder verkauft. Der Staat wollte mitverdienen und wollte es den Suchenden gegen Zahlung der Vermittlungsgebühr bequemer machen. Staatliche A&V - Läden brachten den Gewinn und die Steuer in die Staatskasse! In den A&V wurden sogar so kleine Dinge gehandelt wie die Nadeln für Nähmaschinen oder Knopfzellen für Taschenrechner, die Omis aus dem "Westen", also der BRD mitbrachten. Eine einzelne Knopfzelle (Silberoxid LR44, AG13 oder sowas) aus einem 2,99DM-5er Blisterpack aus der BRD kostete im A&V z.B. 5,00Mark der DDR. Wer keine Verwandten "drüben" hatte, kaufte diese Dinge hier mit Ost-Mark. Aber auch Möbel und Technik wie Fernseher und Waschmaschinen konnte man hier recht preiswert bekommen, natürlich alles ohne Garantie. Das Feigenblatt waren u.a. Kunstgegenstände, Keramik und Schmuck, und Hochzeitskleider. Ein ganz besonderer Renner war Kinderbekleidung, da macht A&V sogar sehr viel Sinn, die Kleinen wachsen auch heute noch schneller als sie die Kleidung verschleißen. Für manch einen Rentner war A&V auch eine Gelegenheit, sich von Gemälden oder Tafelsilber zu trennen, um die kleine Rente aufzubessern. Der Staat sorgte eben für alle(s)...

ABV
Abschnittsbevollmächtigter, Polizeibeamter in Uniform, der in den Wohngebieten eingesetzt war. heute gibt es einen ähnlichen Aufgabenbereich für Polizisten, den "Kontaktbereichsbeamten" - eine ähnlich unverständliche Wortkonstruktion wie "Abschnittsbevollmächtigter". Ein Streifenpolizist mit erweitertem Aufgabenbereich, z.T. "Mädchen für alles".

abkindern
Ehekredit mit mind. 3 Kindern tilgen. Der Ehekredit war ein zinsloser (!) Kredit in Höhe von 5000 Mark der DDR (später sogar 7000Mark), der für junge Eheleute bis zu einem Alter vo 25 Jahren vergeben wurde. Bei Geburt eines oder mehrerer Kinder wurde die abzuzahlende Kreditsumme verringert (beim ersten Kind um 1.000 Mark, beim zweiten Kind um weitere 1.500 Mark) und bei Geburt des dritten Kindes war der Kredit getilgt, dazu sagte man dann „den Kredit abkindern“ anstelle von "abzahlen".

ABF - Arbeiter- und Bauern - Fakultät
Eine Bildungsstätte an einigen Universitäten in der DDR, an der meist in unterstützten Fernkursen ("Abendschule") Leute aus der Arbeiterklasse Weiterbildung kostenlos erhalten konnten. Es gab Kurse für Fremdsprachen oder vorbereitende Kurse (Abiturkurse) für die Aufnahme eines Studiums etc.

AKA electric
Das DDR-Kombinat für alle Haushaltelektrik, vom Mixer über Staubsauger bis zur Taschenlampe oder Waschmaschine lief alles unter dieser Marke. (Werbeslogan: AKA Elektrik - in jedem Haus zu Hause).

Aktuelle Kameraden
Verballhornung des Namens der DDR-TV-Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera"

Aktivist
Ein "Aktivist der sozialistischen Arbeit" war ein anderer Ausdruck für "Bestarbeiter", es gab den "Aktivistenorden", ein Abzeichen als Auszeichnung verbunden mit einer Geldprämie.

Alu-Chips
DDR-Mark Kleingeld - das war bis auf die 20Pfennig-Münze und die 5Mark-Münzen aus Aluminium. Die 20Pfennig-Münze musste schwerer sein, (war aus einer Kupfer-Zink-Legierung) damit die Automaten (Telefone, Fahrscheinautomaten in Bussen etc.) die Münzen erkannten. Alu war eben zu leicht. Das DDR-Kleingeld bestand aus folgenden Werten: 1Pf, 5Pf, 10Pf, 20Pf, 50Pf, 1Mark, 2Mark und 5Mark. Die Standard-5-Mark-Münze war aus Constantan (CuNi44), Sondermünzen zu 10Mark und 20Mark gab es unregelmäßig zu bestimmten Anlässen oder Jubiläen bekannter Persönlichkeiten.
>>>  Wikipedia Artikel Geld der DDR

Amiga
Eine Schallplattenmarke der DDR, hier erschienen die Schlager, Pop-Musik und auch die "Lizenzplatten" - Musik internationaler Pop-Größen.

Antifaschistischer Schutzwall
Oder auch "Antiimperialistischer Schutzwall" - so wurde im offiziellen Sprachgebrauch die Mauer genannt.

Arbeiterschließfach (-fächer)
Plattenbauten in hoher Konzentration (Wohngebiete mit ausschließlich Neubausubstanz in Plattenbauweise), meist als Satelliten-Städte in Nähe der größeren Städte errichtet und verkehrsmäßig über Bus- oder Straßenbahnlinien an die Städte angebunden. Man begab sich abends dorthin, um in seinem "Schließfach" zu übernachten. Der Begriff wurde sicher geprägt, weil die Bauten durch ihre Uniformität den Schließfachanlagen auf den Bahnhöfen ähnelten.

Arbeiterklasse
Wer aus dem sozialen Umfeld Arbeiter stammte, gehörte zur "Arbeiterklasse". Man wurde im "Arbeiter- und Bauern - Staat" bevorzugt, wenn man aus dieser Klasse stammte. Bei Bildung (Studium) und Berufswahl hatten Arbeiterkinder generell bessere Chancen, selbst wenn sie Mängel in persönlichem Verhalten oder IQ aufwiesen. In den letzten Jahren der DDR sah man dieses nicht mehr so streng, da immer mehr Angehörige der Schicht der "Intelligenz" das Land verließen. Der Mangel an Ingenieuren und Ärzten machte sich in den 80er Jahren deutlich bemerkbar.

Arbeiterwohnheim
AWH, Arbeiterwohnheim, das waren meist ganze oder teilweise von VEB angemietete oder erworbene Wohnblocks, die durch die "Wohnraumlenkung" belegt wurden. Es war eine Art Zwangs-WG, in der meist immer 2 Personen in einem Zimmer einer 3-4 Zimmer-Wohnung einquartiert wurden, Küche und Bad gemeinsame Benutzung. Die Wohnungsbelegung erfoglte immer getrennt nach Männlein und Weiblein. Für Verheiratete gab es auch extra Einzimmerwohnungen. Da die Arbeitszeitregelung strikt war konnte es schon mal Streit morgens um die Badbenutzung geben - auch bei Männern!
AWH sollte eine Übergangslösung sein, bis die "Wohnraumlenkung" eine geeignete Wohnung gefunden hatte, aber je nach Prioritäten konnte das schon Jahre dauern. Arbeitskräfte für z.B. militärisch wichtige Produktionsbetriebe wurden meist mit entsprechend höherem Gehalt sowie sofortiger Bereitstellung einer Wohnung gelockt.

Asche
NVA, Nationale Volksarmee. Wer diesen Ausdruck gebrauchte, demonstrierte damit auch, was er von dieser Institution hielt. Der "Grundwehrdienst" in der NVA betrug für alle gesunden männlichen Bürger der DDR zwischen dem 18. und 27. Lebensjahr 18 Monate. Wenn der Staat es versäumt hatte, bis zum 27. Lebensjahr einen Einberufungsbefehl zu schicken, gab es noch die Regelung, Männer älter als 27Jahre für 3x 6 Monate mit mind. 6 Monaten Pause dazwischen einzuziehen. Es gab die freiwillige Verlängerung als "Soldat auf Zeit" für 3 Jahre oder 10 Jahre (Unteroffiziersdienstgrade) oder länger (max. 25Jahre) als Berufssoldat (Unteroffiziere, Fähnriche, Offiziere) oder lebenslang (höhere Laufbahnen, Generäle, Admiräle).
Nach Ableistung des Dienstes bei der "Asche" konnte man regelmäßig zu Reservistenübungen eingezogen werden.

Arbeiterveteran
Besonders verdienstvolle Arbeiter im Ruhestand oder ausgezeichneter Arbeiter kurz vor der Rente. Die "Veteranen" wurden oft in Schulen oder Kindergärten als leuchtende Vorbilder dargestellt und zu Agitationsveranstaltungen eingeladen. Auch hatten sie meist das Recht, weiterhin am sehr billigen Kantinenessen teilzunehmen - offiziell, um den Kontakt zu den jüngeren Kollegen nicht zu verlieren. Eine recht sinnvolle Sache - oder?

Aubi
Alkoholfreies Bier - es gab zwar mehrere Hersteller, aber der Name war nur "Aubi" (AUtofahrer BIer)

AWG
Arbeiter Wohnungsbau Genossenschaft, eine Einrichtung zur schnelleren Versorgung der Leute mit guten Wohnungen. Man hatte einen Genossenschaftsanteil zu zahlen, der für Neubau oder Sanierung von Wohnungen verwendet wurde. Zog man aus einer genossenschaftlichen Wohnung aus, bekam man diesen Anteil meist in unverminderter Höhe zurück. Miete für die Wohnung musste man natürlich auch zahlen...

AWU
Arbeiter Wohn-Unterkunft, siehe auch "Arbeiterwohnheim", eine Art zwangsweise Wohngemeinschaft, auf den "Großbaustellen des Sozialismus" meist in Baracken, in den Städten in Wohnblocks eingerichtete möblierte Wohnräume für "Werktätige", die von der DDR Wirtschaft dringend benötigt wurden, an deren Einsatzorten aber nicht genügend Wohnungen für jeden vorhanden waren. Wer Glück hatte, bekanm ein eigenes Zimmer zugewiesen, meist waren Zimmer jedoch mit mind. 2 Personen belegt und Küche und Bad wurde gemeinsam benutzt. In 4-5 - Zimmer - Wohnungen, (in Wohnungen für weibliche "Werktätige") war das manchmal nicht einfach...
Auch für junge Familien gab es AWU, diese waren dann meist die begehrteren abgeschlossenen kleinen besser möblierten Apartements mit Bad - vielleicht auch einer der Anreize des Staates, Familie und Kinderwunsch besonders zu fördern. Wenn schon keine eigene Wohnung, dann mindestens auf diese Weise.

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B

Babyjahr
Eine junge Mutti hatte in der DDR Anspruch auf ein unbezahltes Jahr Freistellung von der Arbeit zur Betreuung ihres Kindes, von der Geburt bis zu dessen 1. Geburtstag ("Erziehungsurlaub"). Es bestand darüber hinaus die Arbeitsplatzgarantie. Ab 1984 gab es ab 1. Kind das Babyjahr bezahlt, vorher ab dem 2. Kind. Eine längere Unterbrechung der Berufstätigkeit durch Mutterschaft und Kindererziehung, bzw. die lebenslange ausschließliche Hausfrauentätigkeit wurde abgelehnt, da Frauen einen bedeutenden Anteil an der notwendigen Arbeitsleistung zur Aufrechterhaltung der DDR-Wirtschaft zu leisten hatten.

Bedarfsunterdeckung
....."Mangel"? ... Mangelversorgung? Ein nettes Wort, das wissenschaftlich klang und doch nur Fehlleistungen kaschieren sollte.

Betriebsferienlager
Kinderfreizeit, gesponsert durch die Arbeitsstätten. Für wenig Geld mal 2 Wochen weg von den Eltern in die Ferien. Betreuer wurden von den Arbeitsstätten der Eltern gestellt, auch Studenten (besonders Lehrerstudenten) wurden als Betreuer der Kindergruppen eingesetzt. Diese hießen dann "Gruppenleiter" und wurden zusätzlich von der FDJ und der Pionierorganisation mit dem nötigen "ideologischen Rüstzeug" versehen. Ferienlager ohne Ideologie gab es nicht. Den Kindern war ganz sicher die Lager-Romantik und das Zusammensein, Spiel, Spaß und Badefreuden in touristischen Gegenden der DDR oder am liebsten natürlich an der Ostsee wichtiger als der obligatorische "Fahnenappell" - und für die Elten war es nicht teuer (so 10-15 Mark Teilnahmegebühr pro Kind und für 2 Wochen) für kinderreiche Familien (ab 3 Kindern!) sogar kostenlos).

Beratungsmuster
Im Konsumgüterbereich gab es in der DDR permanent Versorgungsengpässe. Damit die potentiellen Käufer wenigstens wußten, wofür es sich lohnte, zu arbeiten und die Läden zu belagern, gab es Ausstellungsstücke der Waren, die eigentlich im Laden in größerer Menge vorhanden sein sollten. Diese Einzelstücke hießen dann "Beratungsmuster", die "Fachverkäufer" konnten diese Neuheiten aber meist nicht bedienen und mussten sich oft vom Kunden zeigen lassen, wie man z.B. bei einer Stereoanlage die Sender einstellt...
Die bekanntesten "Beratungsmuster" waren neben hochwertigen Möblen die Autos. PKW konnte man wie die anderen "Beratungsmuster" vorbestellen, man erhielt eine Bestellbestätigung mit dem ungefähren Lieferdatum (bei PKW Trabant war das 8-10Jahre in der Zukunft!).

Bino
"Koche mit Liebe - würze mit Bino" - war ein Werbespruch für das DDR - Maggi.

Bitter-Lemon
Eine bekannte Brause-Limonade mit herben Zitrusauszügen.

Bonbon, Bonbonträger
Parteiabzeichen, Leute die das Abzeichen der SED am Revers trugen, nannte man Bonbonträger

Bonze
Partei- oder Staatsfunktionär, Leitende Angestellte in vielen nicht unmittelbar produzierenden Bereichen der VEB und Kombinate.

Bonzenschleuder
D-Zug aus den Bezirksstädten oder Wirtschaftszentren nach Berlin (musste gegen 09:00 in der "Hauptstadt der DDR" sein). Diese Züge hatten einen hohen Anteil am Abteilen 1. Wagenklasse, auf Dienstreisen über 250km durfte man in der DDR in der 1. Klasse reisen. Da meist Funktionäre zu Rapporten oder Besprechungen nach Berlin in die Ministerien musste, ergab sich der Name "Bonzenschleuder" fast von selbst. Die DR hatte auch dafür zu sorgen, dass diese Züge morgens so pünktlich wie möglich waren. Abends für die Rückreise war die Priorität viel geringer.

Brigadir
Chef einer Brigade, staatlich eingesetzter Leiter (etwa im Range eines Poliers auf dem Bau) für ein Arbeits-Kollektiv. Nicht Bedingung, aber meist auch ein Parteimitglied.

Brigade
Kleinste Einheit eines "sozialistischen Arbeitskollektivs". Arbeitsgruppe.

Brigade der Sozialistischen Arbeit
.... später "Kollektiv der Sozialistischen Arbeit"

Behelfsetikett, Behelfsverpackung
Konnten doch mal Waren mehr als geplant produziert werden, aber wegen fehlender Kartons, Etiketten etc. nicht in der dafür vorgesehen Form verpackt und gekennzeichnet werden, gab es Stempel mit dem Inhalt "Behelfsetikett" oder "Behelfsverpackung". Darauf stand alles, was der Kunde wissen musste, die Produktbezeichnung, die ganz wichtige ELN-Nummer (heute wäre das der barcode, der kennzeichnet, was es ist und wer es hergestellt hat) und der Preis (EVP - Endverbraucherpreis) in Mark der DDR. Der Preis änderte sich ja nie und wurde immer auf der Warenverpackung angegeben.

Badusan
Ein bekannter flüssiger Badezusatz. Und den gab es auch schon, als es noch ttt (Tausend Tele Tips), die DDR Fernsehwerbung gab. Es gab auch einen eingängigen Werbe-Jingle "Baden mit Badusan...". Ob's gut war - daran habe ich keine konkrete Erinnerung mehr.

Beziehungen
"Beziehungen schaden nur dem, der keine hat." Dieser Satz galt selbstverständlich auch in der DDR. Konntest Du Radeberger Bier oder Thüringer Salami oder Räucher-Aal von der Ostsee besorgen, konntest Du beim Handwerker Fliesen für's Bad oder Dachziegel für die Datsche bekommen. Eine Hand wäscht die Andere - für den "normalen" DDR-Bürger war das lebenswichtig. Es gab eine gute "Solidarität von unten" aber nicht die staatlich geforderte und uneigennützige. Die DDR-Führung hatte stets vergessen, dass eine entwicklungsgeschichtliche Eigenschaft des Menschen der Eigennutz, die Fortpflanzung der eigenen Eigenschaften ist. Und ein paar Millionen Jahre Entwicklungsgeschichte konnte keine Ideologie und kein "sozialistischer Wettbewerb" in ein paar Jahren oder Jahrzehnten ändern.

Broiler / Broilerbar
Eine Geflügelrasse "Broiler" gibt es als eine speziell auf schelles Fleischwachstum gezüchtetes Hühnchen. Das Original (stammte wohl ganz viel früher aus Kanada) hat die DDR-Führung wohl mal in Bulgarien gefunden, importiert und in großen Mastanlagen (KIM) für die Nahrungsproduktion gezüchtet. Die KIM Mastanlagen wurden in der DDR auch als "Hühner-KZ" bezeichnet. Die Tiere sahen nie Sonnenlicht, wurden nur versorgt, damit sie nach 6-8 Wochen das Schlachtgewicht von ca. 1,2kg erreichten um dann in der "Broilerbar" als "Goldbroiler" mit Pommes auf den Tisch zu kommen. Die Broilerbars hießen in der DDR meist einheitlich "Zum Goldbroiler" und waren eine recht kultivierte Hähnchenbräterei mit angeschlossenem Schnellrestaurant, in dem es auch ausschließlich Hühnchengerichte gab. Der Renner war aber der "Goldbroiler".

Bückware
Alles, was es nicht über den Ladentisch oder in den Regalen gab. Mangelware eben, nach der die Verkäuferin oder der Verkäufer sich unter den Tresen bücken mussten (für gute Bekannte, gegen Westgeld oder für andere Vorteile).

Bürger
.... förmliche Anrede durch die Volkspolizei (die sagten nur untereinander "Genosse").

Bummi
.... Kinderzeitschrift mit teilweise Comics (Bildgeschichten) und kleine Geschichten zum Vorlesen (so bis 5-6 Jahre)

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C

Cama
DDR Pendant zur BRD Rama - eine Margarinesorte in ansprechender Verpackung (in Plastikbecher, nicht im Würfel wie die preiswerteren Sorten)

Centrum-Warenhaus
Eines der Kaufhaus-Unternehmen in der DDR, gehörte zur HO (es gab auch Konsum-Warenhäuser)

C&A
Sowjetarmee (wegen des kyrillischen CA-Emblems auf der Uniform)

Campingbeutel
kleiner Rucksack mit Reißverschluß, auch aus synthetischen Materialien, wurde zu "Wandertagen" mitgenommen, auch zum Schulschwimmen etc.

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D

... drüben
Drüben - damit war immer die andere Seite hinter der Grenze gemeint: die BRD, das Wort "'rübermachen" leitet sich davon ab.

DSF
Gesellschaft für Deutsch - Sowjetische Freundschaft, die nach dem FDGB größte Massenorganisation in der DDR. Viele der Mitglieder, die nicht in die SED wollten, sich aber gesellschaftlich positionieren mußten, wählten als das kleinere Übel die Gewerkschaft oder die DSF, obwohl dies auch zentral durch die SED geleitete und kontrollierte Organisationen waren. Die Hirarchie und der unbedingte Parteigehorsam - das gab es hier nicht. Nur - einen kleinen monatlichen Beitrag musste man hier auch zahlen und ging aber unangenehmen politischen Diskussionen aus dem Weg. Echte Vorteile hatte die Mitgliedschaft keine.

Dederon
Perlon, Nylon aus der DDR mit Anspielung auf die Herkunft im Namen D(e)D(e)R(on)

DEFA
DEutsche Film AG, einzige DDR-Firma zur Herstellung und zum Vertrieb (Verleih) von Kinofilmen, beheimatet in Berlin-Adlershof. Heute befindet sich auf dessen Gelände das Deutsche Film-Archiv.

delikat - Laden
Auch "Freß-EX" genannt, Laden, in dem hochwertige DDR-Lebensmittel und auch Importe für reale (nicht subventionierte) Preise verkauft wurden.

Dorfsherriff
.... ABV

Duosan
Eigentlich "Duosan-Rapid", eine schnell trocknender Alleskleber, der als "Konsumgüterproduktion" in der Filmfabrik Wolfen hergestellt wurde. Lösungsmittel war Aceton und Toluol, nicht gerade sehr gesundheitsfördernd, weil stark fettlösend und Leber-schädigend und außerdem sehr heftig und stechend riechend!.

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E

Ehekredit
Der Ehekredit war ein zinsloser (!) Kredit in Höhe von 5000 Mark der DDR (später sogar 7000Mark), der für junge Eheleute bis zu einem Alter vo 25 Jahren vergeben wurde. verwandter Begriff: "abkindern...".

Elsterglanz
Ein Poliermittel für Metalle, für Bestecke genauso wie für Teekessel oder Moped-Motoren...

Eingabe
Petition, Schreiben an höhere Stellen. Das war meist das letzte Mittel, sich bei Stadt- oder Kreis-Oberen sehr unbeliebt zu machen und bei Bezirksoberen oder sogar in Berlin beim Staatsrat um Gehör zu bitten. Eingaben an den Staatsrat wurden meist schnell geprüft und in kleinem Rahmen ohne viel Aufsehen wurde auch Abhilfe beim geschilderten Mißständen geschaffen - wenn berechtigt. Großes konnte ein Einzelner mit einer Eingabe nicht bewegen, aber kleine Steine, die im täglichen Leben im Wege lagen (Beamtenunfähigkeit, Wohnungsmißstände, monatelang kaputte Wasserleitungen, monatelang schlechte Versorgung mit z.B. Unterwäsche) wurden lokal schnell aus dem Weg geräumt. Kleine Löcher konnte man von "ganz Oben" schnell stopfen.

Erichs Krönung
Der Mangel an Devisen führte in den späten 70er Jahren des 20JH zu einer regelrechten Kaffeekrise in der DDR. Die Staatsführung entschloss, einen mit Gerstenmalz gestreckten Bohenkaffee - "Kaffee-Mix" - auf die DDR-Bürger loszulassen. Der Schuss ging nach hinten los, da das Volk diesen Cou nicht akzeptierte. Zuerst gab es sanfte Kritik und Satire, dann auch handgreifliche Dinge..

Essi
SR2 Moped (in den 60er jahren begehrtes Fahrzeug, nicht nur bei Jugendlichen), ein noch sehr fahrrad-ähnliches Moped aus dem Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Suhl (Simson-Suhl)

ESP
Schulfach "Einführung in die Sozialistische Produktion", Theoriestunden zum Pendant in der Praxis - UTP

EVP - Endverbraucherpreis
EVP - Endverbraucherpreis - offizieller Sprachgebrauch war Einzelhandels Verkaufs Preis. Dieser war immer auf der Ware, aufgedruckt auf der Verpackung oder bei einfachen, unverpackten Dingen (Bleistift, Kaffeesieb etc.) direkt auf der Ware, aufgedruckt oder sogar eingearbeitet. Der EVP für eine Ware wurde einmal festgelegt und blieb dann stets unverändert. Preiserhöhungen gab es demnach nicht. Wurde eine Preiserhöhung nötig, gab es ein neues Produkt. Dieses mußte dann mit erhöhtem "Gebrauchswert" den höheren Preis rechtfertigen. Machen Sie das mal mit einer Tüte Mehl! Höherer Gebrauchswert? Das ging nicht. Also mussten den Ausgleich zur Subvention von Lebensmitteln die "Konsumgüterproduktion" mehr und neue Gebrauchswerte schaffen. Manchmal nur durch andere Formgebung oder Farbe.

exquisit
Laden, in dem hochwertige DDR-Bekleidung und auch Importe für reale (nicht subventionierte) Preise verkauft wurden.

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F

Forumscheck
Ab Anfang der 70er Jahre durften DDR Bürger nicht mehr direkt mit D-Mark (oder anderen frei konvertierbaren Währungen) in den Intershops einkaufen. Ausländische Währung musste vorher in Schecks der Handelsgesellschaft Forum (die die Intershops betrieben hat) umgetauscht werden. Forum unterstand dem Finanzministerium und der Gruppe "Kommerzielle Koordinierung" um Herrn Schalck-Golodkowski. Durch den Umtausch in eine Pseudo-Währung kam der Staat DDR sofort an die "harte" D-Mark und nicht erst, wenn der Besitzer damit in den Intershop ging.

Fahrerlaubnis
Der Führerschein hieß in der DDR "Fahrerlaubnis". Erst in den 80er Jahren gab es den Europäischen Führerschein. Mit dem Begriff "Führer" hatte man offensichtlich Sorgen!

FDGB
Einheitsgewerkschaft FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund)

FDGB - Platz
Urlaubsplatz, der von der Einheitsgewerkschaft FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) vergeben wurde. Sehr begehrt und beliebt, weil preiswert und sogar für junge Familien erschwinglich. Wurde meist nur an Bestarbeiter vergeben. Der FDGB baute an prädestinierten Erholungs-Standorten in der DDR (Ostsee, Thüringer Wald, Erzgebirge, Mecklenburger Seenplatte, Harz) große Urlauber-Burgen, um den wachsenden Andrang auf Ferienplätze zu begegnen.

FDJ
"Freie Deutsche Jugend" - eine Massenorganisation, Jugendorganisation der SED, auch als "Kaderreserve der Partei" bezeichnet. Praktisch jeder DDR-Jugendlich war Mitglied, Ausnahmen gab es. Die hatten es meist im täglichen Leben schwerer (Lehrausbildung und Studium wurde z.B. bei diesen Schülern nach Notwendigkeit und nicht nach persönlichen Wünschen verteilt). Auch waren Nicht-FDJ-ler sicher häufiger auf den Listen der Stasi zu finden als konsequent "linientreue" Jugendliche.

Feierabendheim
Andere Bezeichnung für die staatlichen Altersheime, verdiente Arbeiter durften hier Ihren Lenbensabend verbringen

Firma, die Firma
.... Stasi, GHG, Memfis

Flibol
Ein Insektenvernichtungsmittel ähnlich wie "Mux", nur auf Basis von Alkohol und einem Dichlorethyl und Phosphorsäureester, wirkte gegen Fliegen, Stechmücken und bei beharrlicher (eigentlich auch für den Menschen schädlicher) Anwendungsdosis auch gegen Kakerlaken, Wespen und andere größere Insekten. Wird heute noch in Industrieländern unter Namen wie "Dibrom" oder "Naled" hergestellt und eingesetzt, da es sich in wenigen Tagen auf unschädliche Konzentration abbaut. Der Name "Mux" war allerdings so verbreitet, dass jedes Insektizid "Mux" genannt wurde.

Frauenruheraum
Jeder VEB mit einer bestimmten Anzahl an weiblichen Angestellten mußte einen Frauenruheraum haben. Männerruheräume dagegen gab es nicht.

Frösi
"Fröhlich sein und singen" - eine Kinderzeitschrift in der DDR, Kurzwort "Frösi" - immer als "die Frösi" bezeichnet, war zwar politisch gefärbt, hatte aber jede Menge Dinge zum Basteln, Liedertexte, Geschichten, Comics usw. für Kinder (so zwischen 6 und 12 Jahren).

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G

Getränkestützpunkt
heißt heute wieder Getränkemarkt, war früher genauso wichtig wie heute, obwohl früher nur lokale Biere und Mineralwässer angeboten wurden. Ausser Club-Cola, die gab es wohl DDR-weit.

Genosse
ein Mitglied der SED. Aber auch die Angehörigen der "bewaffneten Organe" (Polizei, Grenztruppen, Armee) mussten sich, ob SED oder nicht, offiziell korrekt mit "Genosse" anreden (Genosse, Dienstgrad, Name)

Gestattungsproduktion
Die DDR war ein "Billiglohnland". Interessant durch hoch motivierte und gut ausgebildete Arbeitskräfte ließen einige Unternehmen aus der BRD, Frankreich oder Belgien in der DDR produzieren. Nahrungsmittel (Schokolade, Backwaren), Toilettenartikel (Seife, Deosprays) und auch Elektronikkomponenten (TV - Geräte oder Teile dafür) und natürlich Textilien (Bettzeug, Baumwollkleidung und Nylonstrümpfe), um nur einige zu nennen. Die Artikel mit West-Marken und in schöner bunter Verpackung durften in geringem Prozentsatz auf dem Binnenmarkt verkauft werden (exquisit- und delikat - Läden).

Genex
Genex Geschenkdienst war eine Außenhandelsorganisation, die der KoKo (Kommerzielle Koordinierung, Schalck-Golodkowski) unterstand. Genex handelte mit Waren aus der DDR und Importwaren. Entstanden war Genex aus dem Gedanken, dass Verwandte in der BRD oder im weiteren Europäischen Ausland für frei konvertierbare Währung Waren im Genex-Katalog bestellen und als Geschenksendung an DDR-Bürger zustellen lassen sollten. Die meisten der im Katalog angebotenen Waren wurden allerdings als "Gestattungsproduktion" in der DDR hergestellt oder waren DDR-Produkte. Genex sollte also D-Mark für die DDR beschaffen. Später wurden 2 Kataloge eingeführt, ein Genex-West und ein Genex-Ost Katalog. DDR-Reisekader, die "nur" in SW-Länder reisen durften, konnten genauso wie die, die auch in das "nichtsozialistische Ausland" reisen durften, nicht verbrauchte Reisezahlungsmittel zurückzahlen an die Staatsbank der DDR, der Gegenwert wurde auf ein Genex-Konto gutgeschrieben. Und dafür konnte man dann Waren aus den entsprechenden Katalogen für sich selber oder als Geschenk an andere kaufen.

GHG
eigentlich die Abkürzung für Großhandelsgesellschaft, GHG wurde auch für die Stasi benutzt, die Haupttätigkeiten konnten damit passend beschrieben werden: Gucken, Horchen, Greifen.

Gütezeichen
In früheren Jahren wurde die Produkte der VEB mit sogenannten "Gütezeichen" versehen. Das beste war 1Q (wohl für 1A Qualität), es gab 1 und 2 in einem Prüfzeichen-Dreieck, nur das Dreieck bedeutete 3.Wahl, diese Waren bleiben dann nur noch für den verkauf in der DDR. 1Q und 1 waren Exporrt-Qualitäten, 2 und 3 konnte im Inland verbleiben...

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H

Hauptstadt der DDR
offizieller DDR-Name für Berlin (Ost)

Hausvertrauensmann
In jedem Wohnhaus der KWV's und AWG's mit mehr als einer Wohnpartei gab es einen "Hausvertrauensmann". Dieser führte auch das "Hausbuch". Er war ein wichtiger Teil des Überwachungsstaates, da die Stimmung unter der Bevölkerung bis in jedes Haus erfaßt werden konnte, wenn die Tätigkeiten des Hausvertrauensmannes konsequent durchgeführt wurden. Aber auch Beschwerden, Reparaturanforderungen etc, gehörte zu den Aufgaben. Wenn möglich war der Hausvertrauensmann SED-Mitglied.

Hausbuch
Ins Hausbuch, das jeder DDR-Haushalt (auch Eigenheim!) führen mußte, mussten alle Ereignisse im Hause eingetragen werden. Personalien der Bewohner wie auch deren Besucher, wenn diese länger als 3 Tage bleiben wollten! Besucher aus dem Ausland mußten immer erfaßt werden, diese mussten sich außerdem am ersten Besuchstag polizeilich anmelden (auch das machte z.B. der ABV).

Haushaltstag
Berufstätige Frauen hatten Anspruch auf einen bezahlten freien Tag im Monat, dem "Haushaltstag". Für Männer galt das nur, wenn sie alleinerziehender Vater waren...

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I

Im Nu
Offiziell stand auf der Packung: "Kaffee-Surrogat-Extrakt". Sofort löslich. Also: Instant Muckefuck, Landkaffee...

Interhotel
Hotelkette mit gehobenem Standard in der DDR. Hier wurden vorrangig ausländische Besucher untergebracht, die nicht zu privaten Zwecken in der DDR waren. In den Interhotels der Wirtschaftszentren (Berlin, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Dresden) gab es sogar spezielle Etagen, die mit Abhörtechnik ausgerüstet waren und von Stasi Mitarbeitern rund um die Uhr überwacht wurden, wenn ein Gast eingecheckt war. In Interhotels konnten aber auch DDR-Bürger übernachten, wenn sie es sich leisten konnten.

Intershop
Spezielle Ladenkette, die nur zu dem Zweck bestand, ausländische "harte" Währung zu bekommen. Hier gab es Waren bevorzugt aus der BRD, man profitierte von dem innerdeutschen Hadelsbeziehungen. In den Intershops konnten Ausländer mit ihrer Währung einkaufen, DDR-Bürger mussten dafür "Forum-Schecks" einlösen.

Industrieroboter
Ein Kultobjekt der SED, jeder VEB sollte nach dem 10. Parteitag der SED nach 1981 die Industrieroboter einführen, um die Arbeitsproduktivität zu steigern. Dafür wurde die Propagandamaschinerie auf hohe Touren gebracht und man verkündete jeden Monat aufs Neue, wie viele Industrieroboter bereits in der sozialistischen Produktion arbeiteten. Einfache Handhabe- und Einlegevorrichtungen wurden zum Industrieroboter erklärt, um die hochtrabenden Planzahlen zu erfüllen. In diser Bilanz hatte die DDR bis 1989 mehr Industrieroboter eingeführt als die BRD. Und trotzdem blieb die Arbeitsproduktivität immer weiter zurück...

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J

"Jägerschnitzel"
In der Zeit, in der die DDR u.a. auch mit Frischfleisch und lebenden Schweinen die Zinsen für Kredite tilgte, gab es nicht immer viel Fleisch auf die Kantinen-Teller. Fantasievolle Namen sollten das ausgleichen. Ein Jägerschnitzel war eine panierte und gebratene Scheibe Jagdwurst, dazu gab es Nudeln (meist "Spirelli") und eine nmit Mehlschwitze veredelte Tomatensoße.
Es gibt heute noch Schlangen an Ausgabeschaltern von Kantinen, die noch diese "Jägerschnitzel" anbieten.

Jumo
Jugendmode-Abteilung in den DDR-Warenhäusern, z.T. auch eigenständige Geschäfte, die vor allem Bekleidung für Jugendliche oder das, was Partei und Regierung als solches definierten, verkauften. In der Jumo gab es auch schon mal importierte "West"-Jeans. Sonst wurde das Angebot an Ladenhütern auch mit "Jumo-Tünneff" bezeichnet.

Jugendfreund
OK, es gab sicher auch Jugendfreunde. Nur dies war die offizielle Anrede für einen FDJ-ler, auch die amtliche Anrede z.B. von einem Volkspolizisten an einen Jugendlichen. Das gab meist Gegenrede, denn Jugendfreund eines VoPo wollte man meist nicht sein.

Jugendbrigade
Eine Brigade (kleinstes sozialistisches Arbeitskollektiv), die nur aus FDJ-Mitgliedern bestand. Auch wenn diese schon weit über 40 Jahre waren - sie waren eine Jugendbrigade.

Jugendtanz
Eine behördlich genehmigte Tanzveranstaltungsreihe in einem großen Dorf, einer Stadt oder einem großen Wohngebiet. Es durften Jugendliche im Alter bis 16 Jahren bis 22:00 teilnehmen, meist ging die Veranstaltung auch nicht länger. Für diese Veranstaltungen wurden bis in die 70er Jahre meist Live-Musiker engagiert, danach gab es auch in der DDR Diskotheken. Die DJs hießen hier jedoch "Schallplattenunterhalter". Bei diesen Jugendtanzveranstaltungen musste die Liste der gespielten Musik vorab eingereicht werden, einmal um AWA-Aufführungsrechte zu prüfen (AWA war das DDR Pendant zur GEMA), zweitens um das staatlich verordnete Verhältnis 40/60 zu garantieren. 40% der gespielten Musik durfte nur aus dem Westen sein, 60% musste DDR-Musik oder Musik aus den "sozialistischen Bruderländern" sein.

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K

Kaderakte
Für jeden Mitarbeiter in einem VEB gab es eine Kaderakte. Heute und anderswo "Personalakte" genannt. Der Unterschied zu der war, dass die Kaderakte auch alle Angaben zu Parteimitgliedschaft, politischer Grundeinstellung, Religionszugehörigkeit, persönliche Interessen, Hobbies, Wohnumfeld, familiäres Umfeld (soweit diese Informationen beschaffbar waren) enthielt. Der Angestellte durfte meist seine Kaderakte nicht selbst einsehen, maximal bei Wechsel der Arbeitsstelle konnten vom Angestellten nicht genehme Seiten entfernt werden lassen.

Kaderabteilung
Personalbüro sagt man heute. In der DDR gab es jedoch kein Personal, es waren alles Mitglieder im Kader, die entwickelt werden mussten. Natürlich hatte hier ganz zuerst die politische Grundeinstellung dann erst die fachliche Eignung Gewicht. Bei manchen Kadern war es aber gut, dass es zuerst die Parteikarriere gab, dann erst die richtige Arbeit, da konnten diese den geringsten Schaden anrichten...

Kaffe-Mix
.... "Erichs Krönung" genannt. Ein Blend aus richtigem Kaffee und Gerstenkaffee, schmeckte wie Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen - wenn man diese offen für 2Wochen an der Luft liegen ließ.

Kampfgruppen
"Kampfgruppen der Arbeiterklase" - eine paramilitärische, aber straff organisierte bewaffnete Truppe, die sich aus den "Werktätigen" der Volkseigenen Betriebe zusammensetzte. Angeblich zu deren Schutz waren diese mit Waffen ausgerüstet und waren so eine Art Volkssturm, Heimatschutz und Kampfreserve für die Nationale Volksarmee. Es gab regelmäßige Übungen, zu denen die Mitarbeiter von den Betrieben bei voller Bezahlung freigestellt werden mussten.

Karlheinz, Kolja
.....Sowjetarmee - wegen Karlshorst, dem Sitz des Sowjetischen Oberkommandos für Deutschland, Kolja oder C&A klang auch unvferfänglicher als das oft abwertend betonte und interpretierte "Die Russen"

Kaufhalle
DDR-Bezeichnung für Supermarkt, es gab Konsum - und HO - Kaufhallen.

Kaviarbrot
Ein weißes Stangenbrot, baguette.

Kasimir
Ein großer schwerer russischer Traktor ("Kirowez K-700") wurde so bezeichnet. "K-sieh'mhundert" oder "Kasimir" - was klingt besser?

Kittifix
Die wohl bei Jung und Alt bekannteste Alleskleber-Marke der DDR. Der Name sagte schon alles. Hergestellt wurde der Klebstoff auf Nitrocellusosebasis im VEB Schuhchemie Mölkau als Universalkleber für die Schuh-Herstellung. Für die Allgemeinheit gab es 50cl Tuben. Leider war Nitro-Verdünner das Lösungsmiittel, nicht gerade gesundheitsfördernd. Heute gibt es noch Kittifix, allerdings auf Basis weniger giftiger Stoffe.

KIM (KIM-Eier)
"Kombinat Industrieller Mast" - eine Kette landwirtschaftlicher Betriebe zur Geflügel-, Eier- und später auch Kaninchen-Produktion. KIM wurde beworben mit "köstlich immer marktfrisch". Mehr dazu unter "Broiler".

Klappfix
Ein begehrter kleiner zusammenklappbarer Camping-Zelt-Anhänger, den auch der Trabant mit seinen 26PS ziehen konnte. Voll aufgebaut konnten bis zu 6Personen darin schlafen.

Klaufix
So wurden die kleinen Fahrrad- oder Mopedanhänger genannt. Damit konnte man auch mal schnell etwas z.B. auf einer "Großbaustelle des Sozialismus" "wegfinden" oder "organisieren" und niemand hats gemerkt...

Klassenstandpunkt
Ein Ausdruck, der in offiziellen Beurteilungen von Schülern und Studenten (Zeugnis) oder im Arbeitszeugnis von Werktätigen bei Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis (Betriebswechsel) gern verwendet wurde. Wer einenklaren "Klassenstandpunkt" vertrat, war eher als linientreu anzusehen als der, in dessen Zeugnis dieses Wort nicht vorkam.

Klassenfeind
Der Klassenfeind (Feind der Arbeiterklasse) - das war immer der Böse Kapitalist, der Vertreter einer kapitalistischen Gesellschaft, der BRD-Bürger im Besonderen.

Komplexannahmestelle
Hier konnte man alle seine Komplexe abgeben. FALSCH! Es war eine Einrichtung in großen Wohngebieten, in der man zentral alle hauswirtschaftlichen Dienstleistungen bestellen konnte, Kleinreparaturen (von Schuhen, Textilien, Elektrogeräten) abgeben konnte, Fotarbeiten und Textilreinigung waren meist auch enthalten, also ein ganzer Komplex.

Kulturhaus
Jede größere Gemeinde hatte in der DDR mindestens ein Kulturhaus. Kino- und Festsaal, Restaurant, Bibliothek und kleinere Veranstaltungsräume waren meist darin untergebracht. Auf dem Lande war es oft auch mit der LPG-Kantine und der Schulspeisung verbunden.

KWV (Kommunale Wohnungsverwaltung)
Die Kommunale Wohnungsverwaltung verwaltete Wohnungen, meist die, die die großen VEB und Kombinate nicht wollten (z.B. sanierungsbedürftige Albausubstanz in Stadtzentren) und vermieteten diese an Wohnungssuchende abseits der Wohraumlenkung der VEB. Natürlich griffen auch die Wohnraumlenker auf KWV-Wohnungen zurück, die lenkten ja nur staatliche Bedürfnisse, die Arbeit mit der Verwaltung und Unterhaltung der Wohnungen konnten schon andere machen.

Kofferheule
abfällige Bezeichnung (meist von älteren Leuten gebraucht) für Transistor-Kofferradio

Kolchose
LPG - um auf den Zustand in den Landwirtschaftsbetrieben anzuspielen, wie in den russischen Kolchosen ging es wohl nur im Führungsanspruch der SED und der Hierarchie zu

Kollektiv
Team, Arbeitsgruppe, auch Künstlergruppe

Kollektiv der Sozialistischen Arbeit
Ein Kollektiv, das sich durch immer gute Planerfüllung auszeichnete, wurde mit diesem Titel geehrt. Es gab für jeden, der an diesem "Erfolg" teilhatte, jedes Mitglied des Kollektives, eine kleine Geldprämie und einen "Orden" sowie die Ausstellung seines Fotos in der "Straße der Besten".

Kombinat
Zusammenschluß von VEB's (Volkseigenen Betrieben) mit ähnlichen Produkten zu größeren Unternehmen unter gemeinsamer Leitung und Verwaltung. Meist wuchs die Verwaltung außerordentlich an, da es nun ja Kombinatsleitung und Leitung der einzelnen Betriebe gab...
Aber Arbeitskraft kostete in der DDR ja wenig...

Komet
1. eine über lange Jahre fast unverändert produzierte Küchenmaschine von AKA electric. Mit dem "Komet" konnte man Kuchenteig rühren, Kartoffeln für Kloßmasse reiben, Brotscheiben schneiden, Mixen und vieles mehr, je nach optional zugekauften Anbauteilen. Der "Komet" bestand aus einer Motoreinheit mit Zeitschaltwerk und verschiedenen Aufsatzgeräten. Wenn ein Kuchenteig z.B. mittels der Knethaken und der Universalschüssel des "Komet" hergestellt wurde, sagte meine Mutter schon mal "Den Teig hat der Komet gemacht". Oder "...nimmst den Komet zum Brotschneiden...!"
2. eine Marke für Speiseeispulver (Einfach mit Milch schaumig verrühren und ins Eisfach des Kühlschrankes - nach ein paar Stunden gab es prima Vanille-, Schokoladen- oder Fruchteis.)

Konsum
Die Konsum-Genossenschaft. Eine Ladenkette in der DDR, deren Mitglieder Rabatt-Marken sammeln und jährlich einlösen konnten.

Konsum-Marke
Rabatt-Marken bei der Konsum-Genossenschaft. Diese wurden ins Rabatt-Heftchen geklebt und konnten am Jahresende gegen Bargeld eingelöst werden. Einziges mir bekanntes Rabattsystem in der DDR.

Konsumgüterproduktion
Die Kombinate und VEB's mussten in den 70er und 80er Jahren verstärkt Konsumgüter produzieren, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Da es bekannterweise Planwirtschaft in der DDR gab, wurde dies generalstabsmäßig geplant. Jeder - absolut jeder Betrieb - hatte ein Soll an verkaufsfähigen Konsumgütern zu erfüllen. So wurde z.B. in der Kutter-Reparaturwerkstatt des Fischereibetriebes in Saßnitz auf Rügen eine kleine Produktionsreihe für Stahl-Raumteiler mit Pflanzenboard und schöne weiße Sanitätskästen, Holz, geschliffen und lackiert - für Arztpraxen oder Schwesternzimmer aufgebaut. Das kostete mehr als es nachher einbrachte, paßte ganz und gar nicht in die Fischerei-Sparte oder in die Motorenwerkstatt - aber die Partei hatte ja bekanntlich immer Recht...
Das Feinmechanik-Optik- und Hochtechnologie - Unternehmen Carl Zeiss in Jena ließ in seiner Lehrwerkstatt dringend benötigte elektrische Bügeleisen (unter der Bezeichnung aka electric) fertigen..., Braunkohle-Bergbaubetriebe gossen Aluminiumbestecke und das Sprengstoffwerk Gnaschwitz bei Bautzen produzierte Plastik-Tee-Siebe. Hoch lebe die sozialistische Planwirtschaft!

Kulturschaffende(r)
So war die offizielle Bezeichnung der DDR für Künstler aller Art (Musiker, Tänzer, Schauspieler, Schriftsteller, Zirkusartisten, Maler etc.)

Kumpeltod
.... Schachtschnaps, steuerfreier klarer Schnaps für Bergleute, einst von der Wismut AG erfunden, um genug Bergleute in die Uranschächte zu bekommen, dann auch im Kupferbergbau und in der Braunkohle verkauft. Es war zwar ein einfacher klarer Fusel, aber die 1l-Flasche war mit dem Bergbau-Bezugsschein für nur 1,60 DDR-Mark zu kaufen.

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L

Lametta, Lamettaträger
Mit Lametta waren immer die glänzenden Schulterstücke der höheren Offiziere gemeint. Lamettaträger waren ganz oben, die wurden bei Empfängen und im Fernsehen vorgezeigt und hatten viele Vergünstigungen, lebten z.T. in Stadtvillen und hatten große Autos mit Chauffeur.

linientreu
siehe Klassenstandpunkt

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M

Mondos
die einzige Kondom-Marke in der DDR, Mondos war auch das Synonym für das Verhüterli im Alltags-Sprachgebrauch.

Malfa-Kraftma-Brot
Ein spezielles dunkles Brot, aus Malz, Roggen- und Weizenmehl hergestellt (Abeleitet von Malz, Kraftmalz etc.) aus dem Vogtland

Mocca-Fix
Eine in ganzen DDR von verschiedenen Kaffeerösterei nach einheitlichem Verfahren gerösteter Kaffee, filterfertig gemahlen in metallbeschichteten Kunststofftüten vakuumdicht verpackt. 125g Mocca-fix kostete 8,75Mark. Größere Packungsgrößen für Kaffee gab ab den 70er jahren nicht mehr, außer für Restaurants.

Malimo
Abkürzung für Mauersberger Limbach-Oberfrohna, ein von Herrn Mauersberger in Limbach-Oberfrohna erfundenes Nähwirkverfahren für eine effiziente Herstellung des gleichnamigen Textilstoffes. Es wurde ein internationales Patent, an dem die DDR ausnahmsweise mal selber verdiente.

Mikki-Batterie
.... AA oder R6 Zelle, Zink-Kohle oder Alkali, benannt nach dem (sehr kleinen) DDR-Taschenradio "Mikki" und "Mikki2" von "Stern-Radio", dieses brauchte 2 Stück davon und VERbrauchte diese in ca. 8 Stunden bei mittlerer Lautstärke. Das war kostspielig, denn diese Dinger kosteten pro Stück schon mal 95Pfennige.

Megabit-Schaltkreis
..... 1MB chip von Carl Zeiss Zentrum für Mikroelektronik, Prestigeobjekt in den letzten DDR-Jahren, 1989 wurde dem Staatschef Honnecker tatsächlich ein in Dresden gefertigter 1MB Speicherchip übergeben... aber dann kam die Wende.

Minol-Pirol
Ein Werbe-Trickfilm-Vogel, der in der DDR Fernsehwerbung ttt für benzin von Minol (der einzigen Mineralölfirma in der DDR) geworben hat. Der Werbespruch dazu hieß: "Stets dienstbereit zu Ihrem Wohl ist immer der Minol-Pirol".

Memfis
Umschreibung für MfS, siehe auch GHG, Horch & Guck, Stasi

Mossi
Ein anderes Wort für den sowjetischen PKW "Moskwich" - was soviel wie "Moskauer" bedeutete, auch "Eisenschwein" genannt wegen der nahezu unverwüstlichen Stahlblech-Karosserie. Gewaltige Rostlöcher konnten der Stabilität des Wagens fast nichts anhaben.

Mux
Ein Insektenvernichtungsmittel auf Basis des hochgiftigen und krebserregenden DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan), eine Flüssigkeit im atemluftbetriebenen Zerstäuber (man musste als "Treibgas" hinten ins Röhrchen am Flaschenkopf blasen, damit vorn die Flüssigkeit fein zerstäubt aus der Düse nebelte).

muxen
Tätigkeitswort für das Zerstäuben von Insektengift.
"Hast Du heute abend schon Dein Kinderzimmer gemuxt? Oder willst Du die ganze Nacht Mücken jagen?"

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N

NSW
"Nichtsozialistisches Wirtschaftssystem" - damit waren alle Länder außer dem Ostblock gemeint.

Niethose / Nietenhose
Jeans - das Wort mochten SED-Politiker nicht, deren Untertanen mochten aber die Jeans. Also gebrauchte man offiziell dieses Wort.

Nicki
DDR-Wort für T-shirt.

ND
Das ND (Neues Deutschland) war das "Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands", eine in der gesamten DDR vertriebene großformatige Tageszeitung. Man konnte diese universell einsetzen, z.B. auf dem Markt darin prima Fische oder Gemüse einwickeln, man konnte damit streifenfrei Fenster putzen oder auch den alten Kachelofen anheizen, man konnte das Papier auf dem stillen Örtchen verwenden, es gab auch Leute, die täglich alles gelesen haben, was drinstand!

Neuerer
Jemand, der einen Verbeserungsvorschlag ("Neuerervorschlag") einreichte, um Dinge im Arbeitsprozeß zu vereinfachen, zu verbessern und / oder wertvolles Material einzusparen. Es wurde sogar eine "Neuererbewegung" initiiert, mit Geldprämien für jeden angenommenen und verwirklichten Vorschlag (Geldprämie prozentual in Abhängigkeit von der erwirtschafteten Einsparung). War jemand sehr eifrig und erfinderisch, konnte diesem sogar eine Auszeichnung ("Hervorragender Neuerer" oder so ähnlich) verliehen werden und sein Bild wurde in die "Straße der Besten" eingereiht.

Neubau
.....der wohnt im Neubau (Wohnblock in Plattenbauweise), Kurzfassung für Neubaublock, Neubaugebiet, Plattenbausiedlung

NAW
"Nationales Aufbauwerk", eine staatlich initiierte Masseninitiative in den 50er und 60er Jahren. Durch freiwillige unbezahlte Arbeit sollten Kriegsschäden beseitigt und für die Arbeiter ein ansprechendes Wohnumfeld inclusive der dringend benötigten Wohnungen, Schulen, Sportstätten, Feuerwehr, Krankenhäuser etc. zu schaffen. Für die geleisteten "Aufbaustunden" gab es Dank der Staatsführung in Form von Urkunden und Ehrenabzeichen.

Normbrecher - Normbrecherorden
Aktivist der Sozialistischen Arbeit, Aktivistenabzeichen (Auszeichnung für Bestarbeiter, die freiwillig mehr als andere leisteten)

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O

Ormig
Vervielfältigungsverfahren, Hektographie, Kopiergeräte waren unter Verschluß und jede Kopie eines Schriftstückes bedurfte der Genehmigung des "Staatlichen Leiters". Man wollte so verhindern, dass Flugblattaktionen gegen das Regime stattfanden.

Ochsenkopfantenne
Eine besonders große Yagi-Antenne (ca. 2,20m lang, vertikal polarisiert) zum Empfang des ARD Senders auf dem oberfränkischen Ochsenkopf. Wer so eine Antenne auf dem Dach hatte, konnte nicht verheimlichen, dass er wenigstens versuchte, das in den Anfangsjahren der DDR verbotene "Westfernsehen" zu empfangen. Es gab auch eine FDJ-Aktion, diese Antennen von den Dächern zu entfernen.

organisieren
.....schwer beschaffbares besorgen, manchmal auch nicht 100% legal

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P

Palast der Republik, PdR
.....(Pa)Last der Republik, Ballast der Rebublik, Palazzo Prozzo - für den PdR gab es viele Synonyme. Am Platz des im 2. Weltkrieg zerstörten Berliner Stadtschlosses am Spreeufer in der Nähe des Berliner Domes ließ die Partei- und Staatsführung Anfang der 70er Jahre den PdR erbauen. Eine schwedische Baufirma (der "Probebau" war das Interhotel "Neptun" in Warnemünde) führte diesen Bau unter Zuhilfenahme tausender DDR Bauarbeiter (Baustofftransporte, Betonrohbau etc.) aus. Edle Innenausstattung und hochwertige Gastronomie sollten die Besucher davon überzeugen, dass es in der DDR eine Art Wohlstand gab. Der große Mehrzwecksaal im PdR war technisch hervorragend ausgestattet und konnte mit variabler Bestuhlung auch als Versammlungs- und Plenarsaal für die DDR - Volkskammer (Parlament) und auch für die SED-Parteitage genutzt werden. Die Synonyme entstanden auch aufgrund der utopisch hohen Baukosten, die jede anfängliche Planung übertrafen. Eröffnung war 1976. Inzwischen ist der PdR abgerissen (Abschluß 2008) und Berlin streitet sich um die weitere Nutzung der entstandenen Fläche. Aber selbst der Abriss war erheblich teurer als geplant, so daß der PdR zweimal richtig Geldsummen verschlang!

Partei
"die Partei" - damit war immer die SED gemeint ("die Partei, die Partei, die hat immer Recht..."), obwohl es noch die so genannten "Blockparteien" gab. Aber die fielen wahrscheinlich bei der SED-Führung nicht ins Gewicht.

Patenbrigade
Schulklassen hatten Glück, wenn sich Paten aus der Industrie fanden. Eine Brigade, die die Patenschaft über eine Schulklasse übernahm (meist: übernehmen mußte), schickte Arbeiterveteranen zu Kollektiv-Versammlungen (Pionier- oder FDJ-Nachmittagen), das war nicht so sehr interessant für die meisten Schüler, die Patenbrigaden (oder deren Finanzabteilungen) beteiligten sich auch an der Vorbereitung und Durchführung von Schulveranstaltungen und Wandertagen, Ferienlagern etc. Das war etwas, worauf die Schüler meist stolz waren, wenn die Patenbrigade aus einem rennomierten VEB oder Kombinat stammte.

Pfeffi
- eine Bezeichnung für kleine Pfefferminz-Pastillen
- eine Bezeichnung für Pfefferminzlikör

PGH
Produktionsgenossenschaft des Handwerks, eine genossenschaftliche Vereinigung von Handwerkern gleicher Gewerke (z.B. PGH Rundfunk und Fernsehen), um Kompetenz und Personal effektiver einzusetzen und durch "Beziehungen" auch die Materialversorgung für alle Genossenschaftler zu verbessern. Das war ab den 70er Jahren durch die zunehmende staatliche Gängelung immer weniger wirksam. PGH hatten meist nur Reparaturaufträge, die für den Staat sehr schwierig zu koordinieren waren. Der Staat wollte eben nur mit Millionenaufträgen, nicht mit Markbeträgen die Pläne erfüllen.

Plastebeutel
Damit waren meist die Plastiktüten mit Werbeaufdruck aus dem Westen gemeint (Aldi-Tüten etc.), so etwas gab es in der DDR nicht, die Exquisit- und Delikat - Läden und sogar die Intershops hatten rein weiße Plastiktüten für die gekauften Waren.

Plaste
Plaste und Elaste aus Schkopau - diese Werbeschrift konnte jeder groß und deutlich lesen, der von Berlin nach München auf der A9 unterwegs war und die Elbe überquerte. Mit "Plaste" wurden fast alle Kunststoffe bezeichnet, die die Chemieindustrie herstellen konnte. Bakelit sogar. Es wurde in Hartplaste und Weichplaste unterschieden. Es gab Plastebeutel (Kunststoff-Tragetüten) und Plastespielzeug...

Plattenbau
..... (ohne Worte)

Poliklinik
Ein Ärztehaus im heutigen Sinne, mit allen Ärzten von Allgemeinmedizin, Augenarzt,HNO-Arzt, Kinderarzt, Chirurg, Internist, Frauenarzt und Zahnarzt. Die meisten Polikliniken waren an große Industriebetriebe angegliedert, vielfach sogar auf dem Firmengelände, ein Arztbesuch erforderte so keinen langen Arbeitsausfall. In ländlichen Gegenden gab es gleichwertige Einrichtungen nur in Kreisstädten oder Großgemeinden. Diese hießen dann Landambulatorium.

Polylux
Das wohl einzige Modell eines Overhead-Projektors in der DDR. Ich weiß nicht, ob es diesen Namen als Marke noch gibt, soweit meine Informationen reichen, wohl nicht für einen Tageslichtprojektor - das war die offizielle Bezeichnung. Die letzten Modelle waren anstelle der großen Glaslinse mit einer Kunstoff-Fresnell-Linse ausgestattet. Wurde mal vergessen, ein solches Gerät nach den Vorlesungen abends auszuschalten, hatte die 150Watt-Projektorlampe die Linse bis zum Morgen garantiert geschmolzen...

Postmietbehälter
Ein stabiler Pappkarton meist größeren Volumens mit stabilem Deckel für die Versendung von Postpaketen. Der "Postmietbehälter" war wiederverwendbar und konnte bei der Poststelle gegen ein Pfand (50 Pfennige) einfach ausgeliehen werden. Der Empfänger bekam das Pfandgeld zurück, wenn der Karton in wiederverwendbarem Zustand zur Post zurückgebracht wurde. Es gab mind. 3 unterschiedliche Größen.

Prena-Band
Damit war das DDR Pendant zum Tesa-Film gemeint, nicht immer so reißfest und klar durchsichtig wie das Konkurrenzprodukt aus der BRD, dafür machte der verwendete Kleber das Klebeband nach weniger als 6 Monaten hart, spröde, weniger durchsichtig und brüchig.

Prämienallee
.... siehe auch "Straße der Besten"

Präsent 20
Eine Bekleidungsserie, die "Zu Ehren des 20. Jahrestages der DDR" in den Handel kam. Aus knitterfreiem Material, pflegeleicht und strapazierfähig. Keine Haute Coture aber tragbar und vor allem alltagstauglich. Der einzige Nachteil: 100%Polyesterfasern, also hergestellt aus Erdöl, der Stoff lud sich außerdem elektrostatisch auf und man schwitzte schnell darin.

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Q

Quark
.... In den 60er Jahren wegen Milchexporten manchmal knapp

Quarkkeulchen
.... kein DDR Spezifikum, eine Art Kartoffelpuffer mit Quark, Zucker, Zimt, in manchen Gegenden auch mit Rosinen.

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R

Rechenschaftsbericht, Rechenschaftslegung
Diese Wortschöpfungen sagten eigentlich alles aus, was sie bedeuteten. Die Führung sollte sich vor den Leuten rechtfertigen, Rechenschaft ablegen, für das, was getan wurde oder nicht getan wurde. Die Veranstaltungen waren dann meist zum Verlesen von Berichten und Vortragen von (geschönten) Erfolgsmeldungen über Planerfüllung degradiert. Die "Herrschende Klasse" musste ihre "Führende Rolle" immer wieder betonen und den Leuten einhämmern, das man nichts dagegen machen kann...

Rennpappe
Scherzhafte Bezeichnung für den Kleinwagen "Trabant", dessen Außenverkleidung kein Blech sondern in Phenolharz verpreßte Textilfaser- und Zellstoff - Platten waren. Eine andere Scherzbezeichnung war "carton de blamage".

Rechenschieber
Das "Schwert des Ingenieurs" - der logarithmisch geteilte Rechenschieber war bis zur Einführung der Taschenrechner in den 80er Jahren das Universal-Hilfsmittel in der Schule und beim Studium.

... reinfragen
Wenn man im Konsum oder der HO einen besonders begehrten und damit zur "Bückware" gewordenen Artikel kaufen wollte und danach fragte, bekam man unhöflich oft die Antwort "Ham' wa nich!", besser war dann schon "... da müssen'se immer wieder 'reinfragen" - bedeutete, immer wieder reinkommen und immer wieder fragen, durch Zufall konnte man ja mal Glück haben...

Reisekader
Angestellter in einem VEB oder Kombinat, Mitarbeiter in Ministerien, Angestellte von Hochschulen und Universitäten mussten manchmal zur Erledigung ihrer Aufgaben in andere Länder reisen. Wer das war, wer durfte und wer nicht, bestimmte Staat und Partei. Es gab zwei Kategorien (inoffiziel sogar drei): 1. NSW-Reisekader: durften überall hin reisen, 2. SW-Reisekader: durften nur in die Ostblock-Länder (SW - "sozialistisches Wirtschaftsgebiet") reisen und ironisch 3. DDR-Reisekader: durften innerhalb der DDR auf Dienstreisen. Für NSW galten besonders strenge Auswahlkriterien, das polizeiliche Führungszeugnis musste so rein sein wie die Kaderakte und man mußte (bis auf Ausnahmen wie Künstler oder Leistungssportler) verheiratet sein. So sehr traute die DDR ihren Bürgern, ein verheirateter Reisender kommt vielleicht aus Sehnsucht zu seiner Familie zurück, die Chance für einen Unverheirateten, im Westen ein neues Leben anzufangen, wurde als wahrscheinlicher eingeschätzt.

Reichsbahn
Wikipedia: Unter dem Namen "Deutsche Reichsbahn" wurde die Staatsbahn der Deutschen Demokratische Republik betrieben. Der Grund für die Beibehaltung des alten Namens waren recht komplizierte vertragliche Regelungen der Alliierten Streitkräfte in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Die Lage Westberlins und Betreiberrechte für eine DDR-Staatbahn anderen Namens waren nicht geklärt (die DR betrieb u.a. die S-Bahn-Strecken in Westberlin sowie die Schlaf- und Speisewagengesellschaft "Mitropa" in ganz Deutschland).

Reifezeugnis
Der Abitur-Abschluß wurde in der DDR nicht Abitur sondern Reifezeugnis genannt, der Schüler erreichte mit erfolgreichem Abschluß die Hochschulreife als Bedingung für eine Zulassung zum Studium an Hochschulen und Universitäten des Landes.

Robotron
Ein Industrie-Kombinat der DDR, das sich mit der Entwicklung und Herstellung von Elektronischen Datenverarbeitungsanlagen (EDV) (im heutigen Sprachgebrauch: Computer) und auch Konsumgüterelektronik (Consumer electronics) wie Radiogeräre, Fernseher und auch Taschenrechner beschäftigte

Rondo
Eine beliebte Kaffeesorte, nach einem Luftstrom-Röstverfahren hergestellt, besser als "Costa" und milder als "Mona".

Russenmagazin
Vom russischen Wort "magasin" für Laden, Verkaufsstelle abgeleitet. Es gab in den Garnisonsstädten der Sowjetarmee Läden, in denen die sowjetischen Zivilisten (meist Frauen und Kinder der höheren Offiziere) einkauften. In diesen Läden gab es außer russischen Waren aus deren Heimat auch oft die DDR-"Bückware". So ab den 70er Jahren gestatteten die Russen, daß auch Deutsche dort einkauften, wahrscheinlich auch aus wirtschaftlichen Gründen, denn Umsatz ist Umsatz!

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S

Seufzerbrücke
Fußgängerbrücke aus Holz, die die Bahnsteige auf dem Bahnhof Berlin-Schönefeld miteinander und mit dem Bahnhof sowie dem Bahnhofsvorplatz verband. Man musste mit allem Gepäck zu Fuß über diese Brücke, Taxi und Bus zum Flughafen fuhren vom Bahnhofsvorplatz. Dienstreisende mit 3-4 Koffern kannten einige "Seufzer", wenn sie es dann bis zum Bus geschafft hatten.

SERO, VEB SeRo
Sekundär-Rohstoffe (Recyclingfähiges Altmaterial wie Glas, Pappe, Papier, Schrott und Kunststoffe), in SERO-Annahmestellen konnten SERO gegen kleines Entgelt abgegeben werden. In ländlichen Gegenden wurden mobile Annahmestellen eingesetzt, um die von der DDR-Wirtschaft begehrten Rohstoffreserven einzusammeln. Besonders Kinder und Jugendliche besserten sich durch Sammeln von Altpapier und Glas gern das Taschengeld auf. Auch wurden durch FDJ und Pionierorganisation Altstoffsammlungen organisiert, deren meist nicht ganz unerhebliche Erlöse dann für Solidaritätsaktionen gespendet wurden.

SMH
"Schnelle Medizinische Hilfe" - Rettungsdienst in der DDR

Schallplattenunterhalter
DiskJockey

Selters
Jedes Sprudelwasser (Kohlensäurehaltiges Mineralwasser) wurde "Selters" genannt, nach dem Namen der ersten Mineralwasserfabrik Deutschlands.

Silberpapier
Alufolie wurde landläufig als Silberpapier bezeichnet. Es war weder Silber noch Papier... aber glänzte schön silbern.

Silastik
Baumwoll-Stretch-Gewebe (mit elasteischen Kunsstofffasern)

Singegruppe
Organisiert durch die FDJ gab es die "Singegruppen", als Gegenstück zu westlicher Beat-Musik und zur "sinnvollen Freizeitbeschäftigung" der DDR-Jugendlichen geschaffen, sollten die Singeclubs vor allem das "Liedgut der Arbeiterklasse" pflegen aber auch fröhliche und lebensbejahende neue Jugendlieder propagieren. Eine bekannte Singegruppe war der Berliner "Oktoberclub", der stets in FDJ-Uniform auftrat und auch solche Lieder aufführte wie "Die Partei die hat immer Recht..."

Staatlicher Leiter
Ein von Partei- und Staatsführung eingesetzter Geschäftsführer für ein VEB oder Kombinat, auch für untere Hirarchie-Ebenen (Abteilungsleiter). Für die "Staatlichen Leiter" war eine SED-Mitgliedschaft zwingend. Fachliche Kompetenz stand eher auf Rang 2!

Sozialistischer Wettbewerb
Im Sozialismus gab es Wettbewerb? War doch alles geplant. Der "sozialistische Wettbewerb" sollte unter den Arbeitskollektiven entstehen, die um Höchstleistungen in ihrer Arbeit wetteiferten. Das hat nicht immer so geklappt, da es an den nötigen Anreizen fehlte. Für wichtige Planaufgaben wurden Geldprämien bereitgestellt, damit alles wie geplant fertigwurde. Da hat es dann auch mit den Höchstleistungen geklappt.

SpoWa
Sportwaren-Abteilung in den DDR-Warenhäusern, z.T. auch eigenständige Geschäfte, die vor allem Sportbekleidung aber auch Sportgeräte verkauften.

Spee
Eines der beliebtesten DDR-Waschmittel für die große Wäsche. Spee wird heute noch in Genthin (heute Henkel) hergestellt.

Sperrgebiet
Sperrgebiet=Grenzgebiet:
Entlang der Grenze DDR-BRD gab es verschieden breite Sperrzonen. In den am weitesten zur DDR Seite gelegenen Zonen wohnten bis zuletzt immer noch Menschen. Diese brauchten, um nach Hause zu kommen, einen besonderen Eintrag im Personalausweis und wurden an Kontrollpunkten beim Betreten und Verlassen des Sperrgebietes kontrolliert.
Sperrgebiet=militärischen Sperrgebiet:
Auch innerhalb der DDR gab es Sperrgebiete, meist Truppenübungsplätze und Truppenunterkünfte aber auch Regierungsjagdgebiete (wie im heutigen Nationalpark Müritz) und Regierungswohngebiete (wie Wandlitz) waren besonders bewachte und abgegrenzte Gebiete, die von nornalen Bürgern nicht betreten werden durften.

Sprelacart
Ein Verfahren zur Herstellung und der Produktname für bestimmte Schichtstoffplatten für den Innenausbau, Möbel- und Fahrzeuginnen-Verkleidung, in Spremberg erfunden und 1930 unter dem heute noch bekannten Markennamen "Resopal" eingeführt. Der Markenname durfte in der DDR nicht verwendet werden, deshalb "Sprelacart" (Spremberg, Laminat und Carton.). Durch die glatte, feste, säureresistente und abwaschbare Oberfläche, die leicht eingefärbt oder gemustert werden konnte, eignete sich Sprelacart für Küchenmöbel wie auch für Innenverkleidungen von Eisenbahnwagen oder Schiffskabinen, Campingmöbel und anderes.

Stempel
In der DDR-"Fahrerlaubnis" lag eine Stempelkarte mit Platz für max. 6 runde Stempelabdrücke. Die Stempel dafür hatte die Verkehrspolizei. Es gab ein Punktesystem (ähnlich dem in der heutigen Flensburger Verkehrssünderkartei verwendeten), einfache und wirkungsvoll, es gab je nach Verkehrsvergehen ein oder mehrere Stempel in diese Karte. Wer 5 Stempel hatte, wußte dies, da die Karte immer dabei sein mußte. Mit dem 6. Stempel oder ohne Stempelkarte war die Fahrerlaubnis vorübergehend ungültig (Fahrerlaubnisentzug). Delikte, für die es Stempel gab, waren Vorfahrtfehler, zu hohe Geschwindigkeit etc. Bei erkanntem Alkoholgenuß vor oder während der Fahrt wurde sofort die Stempelkarte eingezogen und das Fahrzeug beaufsichtigt stillgelegt (in der DDR galt strikt 0,0 Promille!).

Schundliteratur
So wurden fast alle Druckerzeugnisse aus dem "bösen Westen" genannt, besonders Comic-Hefte, die BRAVO und alle Editionen des Axel-Springer-Verlages.

Schulrechner
.....sauteurer wissenschaftlicher Taschenrechnr SR1, war OK, mit US-Chip ausgerüstet aber überteuert, in den 80er Jahren wurde dieser Pflicht an den Schulen, als das "Röhrenwerk Mühlhausen" genug davon mit in der DDR hergestellten Chips produzieren konnte!

Schulfernsehen
"Bildungsfernsehen" auf dem DDR Kanal DDR2- dafür bekamen die Schulen sogar die begehrten "Farbfernseher"

Schulspeisung
War in allen Schulen in der DDR vorhanden. Für 60Pfennige gab es jeden Tag ein vollwertiges Mittagessen.

"sozialistische Wartegemeinschaft"
Schlange vor den Geschäften, wenn es Mangelware gab oder Gerüchte gingen, dass es diese geben könnte

sozialistische Bruderländer
.....erklärt sich von selbst

Schachtschnaps
.... Kumpeltod

Schlüsseltechnologie
Die SED legte auf ihrem 10.Parteitag fest, daß sich die DDR Wirtschaft vorrangig auf die "Schlüsseltechnologien" konzentrieren sollten. Was das war, war sogar nicht einmal jedem staalichen Leiter klar. Gemeint war besonders die Elektronik, Mikroelektronik und Computertechnik, von denen man sich eine sehr schnelle Erhöhung der Produktivität versprach. Schade, daß die grundlegenden Chips dafür aus dem Westen gekauft werden mußten...

Stasi
Ministerium für Staatssicherheit

Stabü
Unterrichtsfach "Staatsbürgerkunde" - eine Art "Ethikunterricht", nur konsequent weltanschaulich kommunistisch geprägt.

Straße der Besten
Das war meist eine Art Auststellung der Fotos und besonderen Leistungen von gewürdigten Arbeitern in den DDR-Betrieben. An exponierten Orten, meist auf dem Gang zum Speisesaal gab es meist eine ganze Wand mit den Bildern der "Besten", die besondere Leistungen für die Planerfüllung etc. vollbracht hatten (oder einfach nur per Zufall ausgesucht wurden...)

Subbotnik
Abgeleitet vom russischen Wort Subbota - Samstag: eine "freiwillige" Sonderschicht am Samstag, um unbezahlt Gutes für die Gesellschaft zu leisten (z.B. öffentliche Grünanlagen pflegen, Gehwege instandhalten bzw. instandsetzen o.ä.)

SV-Ausweis
Damit war das grüne Büchlein gemeint, in der jede SV-pflichtige Arbeit verzeichnet war. Sehr wichtig für die Berechnung des Rentenanspruches (auch heute noch!, da die Rente derjenigen, die in der DDR gearbeitet haben und Rente nun in der BRD bekommen, auch aus den (möglichst lückenlosen) Einträgen in diesem Büchlein berechnet werden.

Solibasar
Schüler bastelten, strickten, buken Kekse und verkauften diese Dinge auf öffentlichen Plätzen. Der Erlös wurde Solidaritätsaktionen gespendet.

Sudel-Ede
Der Begriff für Karl-Eduard von Schnitzler ("Der Schwarze Kanal") wurde im Westen geprägt und sicher auch von einigen DDR-Leuten gebraucht. Mir war dieser Begriff bis zur Wende 1989 unbekannt.

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T

Tal der Ahnungslosen
ARD - "Außer Raum Dresden" - so wurden die Gegenden in der DDR bezeichnet, in denen es technisch nicht möglich war, Fernsehprogramme aus der BRD zu empfangen.

Tonband
Alle Abspiel- und Aufnahmegeräte für Magnetbänder oder Kompaktkassetten nannte man in der Kurzform "Tonband" - für Tonbandgerät. Kassettenrecorder hieß der Einfachheit halber, und weil sich der Begriff eingebürgert hatte, auch "Tonband". Man brauchte diese Geräte, um von Rundfunksendern der BRD die beliebte Pop-Musik mitschneiden zu können. Entsprechende Tonträger waren ja sehr selten in DDR-Läden.

ttt - Taused Tele Tips
Werbesendung im DDR-Fernsehen von 1960 - 1976. Danach gab es wohl für den Inlandsbereich keine Produkte mehr, für die man auffällig werben musste.

TGL
Sowas wie DIN in der BRD ("Technische Gütevorschriften und Lieferbedingungen")

Trapo
Transportpolizei, eine eigenständige Poilzeiabteilung, deren Aufgabe es war, den Transport auf der Schiene zu sichern. Kontrolle der Ladungen, des Zustandes und Kennzeichnung der Fahrzeuge gehörte genauso zu deren Aufgaben wie die Begleitung von Personenzügen und Sicherstellung von Ruhe und Ordnung in den Zügen. Randalierer oder stark betrunkene Fahrgäste wurden schon mal mit aufs nächste Revier genommen.

Tafelwerk
.....Schulbuch mit Logarithmentafeln und Formelsammlungen

Taigatrommel
.....M62 schwere sechsachsige Güterzuglokomotive aus der Lokomotivfabrik Luhans, UdSSR

Traktorist
Trecker-Fahrer

Turnbeutel
Eine kleinere Art des "Camping-Beutels", im Turnbeutel transportierten Schüler ihre Sportsachen an den Tagen, an denen Sportunterricht auf dem Stundenplan stand.

T-34 "Sport"
Der sowjetische Klein - PKW "Saporoshez", wegen seines kaum gedämpften Heckmotors kam man auch auf die Panzer-Variante in der Namensfindung.

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U

UTP
.....Schulfach "Unterrichtstag in der Sozialistischen Produktion", Schüler konnten selber erfahren , was später auf sie zukommen kann.

Überplanbestände
..... Ladenhüter?


V

Volkspolizist
- niemals VoPo - das ist West-Sprache!, "Grüner" für die ABVs oder Streifenpolizisten oder "Weiße Maus" für Verkehrspolizisten (wegen des weißen Uniformmantels und der weißen Mütze) waren eher im Sprachgebrauch

Vierlingsflak
Große 4-fach - Antennengruppe für den Empfang des ZDF in ungünstigen Empfangslagen am Rande des technisch möglichen Sendegebietes. Da ZDF im UHF-Frequenzbereich sendete, der keine sehr großen Reichweiten (meist unter 150km) erlaubte, musstem Antennen in Gruppen zu 2 oder sogar 4 Yagi-Antennen aufgebaut werden - besonders, wenn man das ZDF dann auch in Farbe sehen wollte. Diese Anlagen lohnten sich oft nur für Gemeinschaftsantennenstationen, die nach 1973 in der DDR offiziell geduldet wurden. Nur musste sich die Betreibergruppe (privat) das Material dafür "besorgen".

VEB
Volseigener Betrieb, Anfangs auf Befehl der russischen Besatzungsmacht enteignete Betriebe, dann wurden auch alle DDR-Neugründungen Volkseigentum.

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W

Wandertag
Ausflug der Schulklasse, Klassenfahrt, meist auf einen Tag begrenzt

Werktätige / Werktätiger
Die offizielle Bezeichnung für "Arbeitnehmer" in der DDR, Menschen mit ordentlichem Arbeitsverhältnis. Aber auch die, die einen Arbeitsvertrag hatten, aber nur in staatlichen Funktionen in Büros saßen, zählten darunter.

Westgeld
Für die meisten DDR-Bürger nur in sehr geringem Umfang errreichbare D-Mark. Wer "Westgeld" hatte konnte damit einige Dinge im täglichen Leben beschleunigen, einige Kleinigkeiten, die man im Haushalt benötigte und die es in der DDR nicht gab, kaufen und vieles mehr. Auch auf den Baustellen der "Eigenheime" tummelten sich Bauarbeiter gerne bei denen, die wenigstens einen Teil des Arbeitslohnes in D-Mark bezahlten. Handwerkerleistungen (Klempner, Dachdecker oder Fliesenleger) waren wesentlich schneller zu bekommen, wenn man teilweise oder ganz in dieser Königswährung bezahlte. Durch das Geld und das Westgeld bildeten sich 3 Klassen DDR-Bürger heraus: 1. Diese hatten genug Westgeld und / oder genug DDR-Geld, 2. diese hatten wenigstens genug DDR-Geld, 3. diese hatten kein Westgeld und wenig DDR-Geld - arme Teufel...

Westpaket
Das war oft nur das steuerlich absetzbare 30DM-Paket der "lieben Verwandten" aus der BRD, das meist kurz vor Weihnachten kam, wer wirklich gute Verwandte in der BRD hatte, bekam zu vielen Anlässen oder einfach nur so, ein Westpaket. Darin waren in der ersten Variante vor allem Lebensmittel - aber niemand in der DDR musste hungern und brauchte wirklich Mehl oder Grieß aus dem Westen. Die andere Variante enthielt meist alles, was sich die DDR-Bürger - oder deren Kinder - von den Verwandten wünschten. Jeans und Turnschuhe standen sehr weit oben auf der Liste der beliebten Artikel, auch Jugendzeitschriften wie die Bravo, obwohl die Einfuhr dieser in die DDR verboten war.

Westfernsehen
ARD und ZDF - später auch die dritten Programme, dort wo es technisch möglich war

Wunschkindpille
Synonym: Antibabypille

... westdeutsch!
wenn irgend etwas besonders gut lief! als Lob! Die meisten DDR-Bürger hatten noch das Wirtschaftswunder der BRD im Hinterkopf, wenn etwas "westdeutsch" lief, war es meist von Erfolg gekrönt.

Winkelement
Diese gab es bei der Vorbereitung der geplanten Demos zum 1.Mai oder 7.Oktober (Jahrestag der DDR) von Partei und Gewerkschaft. Es waren Fähnchen oder uni-farbene Tücher. Jede(r) im Demonstrationszug hatte mit gleichen Dingen zu winken! Es war eben alles geplant. (Spontane Demonstrationen gab es ja erst 1989)

Westantenne
Die TV-Antenne oder Antennenanlage (mit Verstärkern etc.), die den Empfang westlicher TV-Sender auf dem Gebiet der DDR wenigstens in Schwarz/Weiß elaubte. In größerer Entfernung zur Grenze zur BRD waren die Antennen auch entsprechend größer. In einigen Gebieten der DDR war es technisch aber auch mit besten Antennen nicht möglich, ARD und ZDF zu empfangen!

Wohnraumlenkung
Meist durch die Abteilungen für Kultur und Soziales der VEB übernommene Aufgaben, den Arbeitern und Angestellten geeigneten Wohnraum zu beschaffen. Dafür wurden auch schon mal Wohnungen "freigelenkt", durch Tausch oder Bereitstellung neuer Plattenbauwohnungen wurde versucht, den vorhandenen knappen Wohnraum optimal zu nutzen. Die Arbeitskräfte brauchte man ja dringend und "Arbeiterwohnheim" sollte nur eine Übergangslösung für die betroffenen sein (Ich selber hatte das "Glück", daß ich fast 4 Jahre in so einer Zwangs-WG wohnen musste.)

Wofalor
Ein Weichspülmittel aus Wittenberg bzw. Genthin

Wofatox
Ein Insektenvernichtungsmittel auf Basis von E605 (Methyl - Parathion) mit charakteristischem Geruch - wurde häufig in privaten Gärten und vor allem in der DDR-Landwirtschaft auch großflächig eingesetzt, als DDT-haltige Mittel verboten waren. Es waren auch einige Todesfälle wegen unachtsamen Umganges mit dem Gift bekannt (Verzehr von Gemüse, ohne gründliches Abwaschen und ohne eine mehrtägige Sicherheitszeit abzuwarten) und sogar Selbstmorde mit dem Gift gab es (ein Esslöffel voll in einem Glas Wasser aufgelöst, Nase zuhalten und trinken soll gereicht haben, in wenigen Minuten soll der Tod eingetreten sein)

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Zappelfrosch
Sowjetischer Klein - PKW "Saporoshez", den Namen konnte kaum einer richtig aussprechen, deshalb kam man schnell auf diesen doch irgendwie ähnlichen Namen.

Zettel Falten
wählen gehen, Kreuzchen machen war Nebensache, man mußte am Wahltag im Wahlbüro gesehen worden sein und in der Wählerliste abgehakt worden sein. Man konnte ohnehin nur Ja oder Nein abstimmen, die Kandidaten wurden vor der Wahl von der "Nationalen Front" aufgestellt, das war die Gemeinschaft der "Demokratischen Parteien" unter der Führung der SED selbstverständlich. Und in vielen Wahlbezirken stand das Ergebnis schon fest, als die Wahllokale öffneten. Ähnlichkeiten zum heutigen Russland? Nicht von mir beabsichtigt.

ZT
Umgangssprachlich in landwirtschaftlichen Gegenden für "ZT 300" - den Standard-Traktor aus dem VEB Traktorenwerk Schönebeck

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