Dieter's Kochbuch  
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Jägerschnitzel nach Art der DDR - Werkskantinen

In der DDR gab es oft Engpässe, einer der bekanntesten war der Fleischmangel zu Ende der 70er Jahre und Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die DDR hatte hohe Kredite bei internationalen Banken zurückzuzahlen und auch deren Zinsen. Da man als DDR den "guten Ruf" eines verlässlichen Aussenhandelspartners wahren wollte, bezahlte man mit den Erlösen aus Exporten von lebenden Tieren, Fleisch, Eiern, Benzin und Textilien. Diese Waren fehlten dann eben im Angebot der DDR-Läden teilweise oder ganz. In der Zeit des Fleischmangels musste man aber natürlich die Arbeitskräfte, die diese Exportartikel produzierten, auch in den Werkskantinen ernähren. Und per Definition wurde eine Jagdwurstscheibe zum "Schnitzel". Geschmeckt hat es aber trotzdem gar nicht so schlecht, wie die Schlangen an den Ausgabeschaltern der Kantinen bewiesen und in denen, die es heute noch genauso anbieten,beweisen. Es gab und gibt ja meist auch noch alternative Gerichte. Und der Preis war fast überall, dank großzügiger Subventionen, nur so um eine Mark (Ost). Dafür konnte man dann auch nicht jeden Tag flambierten Tafelspitz oder Gänsebraten erwarten!

Wer's mag - nachkochen und probieren, ein Versuch lohnt sich. Wir sind Fans davon und essen diese Kreation sogar mal an Sonntagen!

Zutaten:

500g Jagdwurst am Stück

Salz, Pfeffer, Paprika

2 kleine Zwiebeln

1 Dose passierte Tomaten oder Tomatenmark

etwas raspelkäse

etwas Ketchup

Öl oder Margarine zum Braten

3 Essl. Mehl

1 Ei

50-100g Semmelmehl

etwas Oregano und Basilikum

300g Nudeln (am besten Spirelli aus Waren/Müritz oder Riesa)

 

 

Zubereitung:

1.Wasser mit etwas Salz zum Kochen bringen. Dann die Nudeln darin bißfest garen. Dann abgießen und abtropfen und abdampfen lassen.

2. Die "Schnitzel" werden als gut daumendicke Scheiben von der Jagdwurst geschnitten (eventuell noch vorhandene Wurstpelle entfernen!). Das Ei auf einem tiefen Teller verquirlen. Die Jagdwurstscheiben leicht mit Pfeffer und Paprika würzen, im Mehl wenden, durch das Ei ziehen und im Semmelmehl wälzen.

3. Die Zwiebeln fein schneiden und in etwas Margarine oder Öl glasig andünsten. Dann Tomatenmark mit ein paar feingehackten Kräutern und etwas Salz und Wasser unter Rühren dazugeben - mit Ketchup abschmecken - eventuell eine Prise Zucker dazu - fertig ist die einfache Tomatensoße.

4. In Margarine nun die Wurstscheiben je Seite ca. 2 min bei mäßiger Hitze goldbraun braten. Heiß und knusprig zu den Nudeln mit Tomatensoße servieren.

Dazu paßt am Besten ein gutes kühles Pilsener. (In den Werkskantinen gab es allerdings "Vita-Cola", Apfelsaft oder Selters-Wasser, meist aber nach dem Essen einen Kantinenkaffee) --- Kartoffelbrei statt Nudeln geht auch!


  


Die Tomatensoße wurde oft noch mit einer Mehlschwitze gestreckt, nicht in allen Kantinen gab es immer ausreichend Tomatenmark, Ketchup gehörte ab den späten 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in der DDR auch zu den Dingen, die es nicht so oft in den staatlichen Handels- (oder Verteilungs-) Organisationen gab.



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Created APR 11,1999,